Im Rahmen des Themenbereichs „Kirche als Volk Gottes“ hatte der katholische Religionskurs der Q2 von Frau Obst hohen Besuch von der Journalistin Jacqueline Straub, die sich für das Priestertum der Frau einsetzt.

Quelle: Meli Wetzel, Jacqueline Straub 2020, CC BY-SA 4.0

Als Frau Obst uns in den Stunden zu „Erbe und Auftrag“ der Katholischen Kirche einen Text über Jacqueline Straub gab, brachen gemischte Gefühle aus:

Ärger über die in gewissen Bereichen etwas zu traditionelle und kleinkarierte Denkweise der Kirche und umso mehr Faszination über die 30-jährige Frau, die sich zur katholischen Priesterin berufen fühlt.

Unsere Aufgabe war es Briefe an sie zu schreiben, in denen wir unsere Meinung schildern und Fragen stellen sollten. Diese gingen von „Wieso wollen Sie nicht einfach evangelische Pfarrerin werden, das wäre doch viel einfacher?“ bis hin zu „Würden Sie Ihren Partner für das Priestertum aufgeben?“ in verschiedenste und wahnsinnig interessante Richtungen.

Doch das alleinige Vortragen im Unterricht hat vielen von uns irgendwie nicht ganz gereicht – wir wollten Antworten.

Leander hat sich sofort per E-Mail bei Frau Straub gemeldet und bekam nur wenige Stunden später eine Rückmeldung!

Wenige Wochen später saß sie dann bei uns im Zoom-Call und hat die gesamte Doppelstunde lang all unsere Fragen beantwortet.

Zum Glück war sie nicht nur gesprächig, sondern auch sehr sympathisch. Es fühlte sich beinahe so an, als würde man mit einer Freundin reden, die zufällig auch darum kämpft Priesterin werden zu können.

Sie erzählte von ihrer kindlichen Abneigung den „doofen“ Kirchenbesuchen gegenüber, die sich dann durch eine Kirchenfahrt immer mehr gelegt hat. Als sie das Kloster Taizé erwähnte, wurden viele von uns etwas sehnsüchtig nach „Urlaub“ an einem solchen Ort. Und plötzlich konnten wir verstehen, wieso sie diesen Drang spürt, ein Teil davon zu sein.

Und sie ist keineswegs nur eine weibliche Version der oftmals konservativen und eher langweiligen Männer, die viele von uns beim Gedanken an die katholische Kirche vor Augen hatten. Ganz im Gegenteil: Straub boxt in ihrer Freizeit, ist frisch verheiratet und eine äußerst offene und freundliche Person.

Eine unserer Fragen war, was sie abgesehen vom Priestertum der Frau an der Kirche ändern würde, wenn sie könnte. Straub begann einiges zu kritisieren, was viele von uns nicht erwartet hätten. Sie erläuterte die Kontroverse des Verbots von Homosexualität, die eigentlich nur auf bibelwissenschaftlicher Unaufgeklärtheit beruhe, und riss uns damit in den Bann.

Interessant zu hören war auch, wie sie mit Kritik umgeht, die unerwartet nicht nur von Männern, sondern zu großen Teilen auch von Frauen komme. Straub erhalte regelmäßig Briefe, in denen sie unbegründet beleidigt werde, doch über diese könne sie nur lachen. Es gebe auf der anderen Seite so viel Unterstützung, dass sie über die Kritik hinwegsehen könne.

Und die Antwort, die einigen von uns am wichtigsten war: Ihren Mann würde sie für das Priestertum nicht verlassen. Wenn es so weit sei, dass Frauen diesen Posten übernehmen dürfen, würde es auch so weit sein, dass sie verheiratet sein dürfe.

Der gesamte Kurs hatte viel Spaß im Gespräch mit Jacqueline Straub und hat viele interessante Positionen und Geschichten von ihr gehört. Für uns steht fest, dass wir bei ihrem ersten Gottesdienst in den Reihen sitzen und uns riesig freuen werden!

Von Yuni Becker (Q2)

Die erste Frau am Altar?