„Ceci meets Europe“

Logo Europaschulen nrwAm 17.2.2015 startete mit dem Besuch des Europaabgeordneten Herbert Reul eine neue Gesprächs- und Diskussionsreihe in der Düsseldorfer Europaschule.

Nachdem Schulleiterin Frau Fahnenbruck die versammelten Gäste begrüßt und den neuen Baustein im Europaprofil des Cecilien-Gymnasiums vorgestellt hatte, übernahmen die Schülerinnen und Schüler das Wort, die in einer Projektgruppe den Abend organisiert und vorbereitet hatten. „Europa in der Krise!? Was nun?“ So lautete die zentrale Frage, die sie dem Gast des Abends stellen wollten. In einem kurzen Impulsvortrag eröffneten sie den Rahmen für die nachfolgende Diskussion. Nationalistische und populistische Entwicklungen in europäischen Mitgliedsstaaten wurden thematisiert, so zum Beispiel der Rechtsruck in Frankreich oder der Rückfall in den Nationalismus in Polen. Stößt die integrative Wirkung der EU an ihre Grenzen? Droht gar der „Brexit“ als erster Schritt zu einem Zerfall des europäischen Projekts? Ist die europäische Erweiterungsidee gescheitert, ein Europa der unterschiedlichen Geschwindigkeiten die Lösung? Und wie ist es mit den europäischen Werten, wie kann, soll und muss Europa sich angesichts der immer größer werdenden Masse an Schutz und Hilfe suchenden Menschen verhalten? Wird Europa zur Festung? Und was passiert in Brüssel eigentlich? Wie denken und handeln die politischen Akteure angesichts dieser vielfältigen Herausforderungen?

Herbert Reul nahm all diese Impulse und Fragen auf, sprach über die größer werdenden Gefahren nationalistischer und rechtspopulistischer Strömungen innerhalb Europas, auch in Deutschland, äußerte seine Hoffnung, aber auch seine Zuversicht, dass die Integrationskraft, ja der Nutzen des gemeinsamen europäischen Handelns im Kontext einer globalisierten Welt größer sei als eine Rückkehr zu nationalem Eigenbrödlertum. Zentrales Thema war natürlich die so genannte Flüchtlingskrise. Herbert Reul betonte die riesige Herausforderung, vor die die europäische Staatengemeinschaft durch diese gestellt werde, nannte offen und ehrlich das Spaltungs- und Zersetzungpotentlial, das in dieser stecke, sah – was auf den ersten Blick überraschend schien – in dieser jedoch auch eine große Chance. Was seien denn nun die europäischen Werte, ja gar die europäische Identität? Was die positiven Erzählungen, mit denen man heute noch für Europa werben könne, wollten die Schüler, Lehrer und Eltern im Publikum wissen. Und auf diese Fragen antwortete Reul eben mit dieser den aktuellen öffentlichen Diskurs bestimmenden Herausforderung. Er lobte das Engagement vieler ehrenamtlicher Bürgerinnen und Bürger, die neue Mentalität des Anpackens und des Helfens, worin er genau diese europäischen Werte der Solidarität und einer aktiven und engagierten Bürgergesellschaft sieht. Wenn es gelänge, den öffentlichen Diskurs auf diese positiven Aspekte zu lenken, wenn das vermeintliche bürokratische Monster EU, das sich in der öffentlichen Wahrnehmung vielfach bloß um Glühbirnen oder andere Formen der Regulierung kümmere, helfe, diese Herausforderung zu meistern, dann wäre ein erster Schritt getan. Dann wäre eine neue positive Erzählung geschrieben, die die bisherige von einem Europa als Friedensraum ergänzen und erweitern und eine neue positive Strahl- und Integrationskraft für das europäische Integrationsprojekt entwickeln könne. Wenn es somit also gelänge, in gemeinsamen Handeln der verschiedenen europäischen Staaten, eine positive und menschliche Lösung für diese Jahrhundertherausforderung zu finden, dann wäre zudem auch ein Erfolgserlebnis geschaffen, das einen neuen Impuls für die weitere und dabei solidarisch-kooperative Zusammenarbeit der europäischen Staaten geben könnte.

Sichtlich offen und motiviert stellte sich Herbert Reul den vielen, durchaus auch kritischen Fragen und Interventionen der Schülerinnen und Schüler, der Eltern und der Lehrerinnen und Lehrer. Sah er doch gerade in der Anwesenheit der Schülerinnen und Schüler, die in ihrer Freizeit die Schule betreten, um über Politik, über Gesellschaft und über Europa zu diskutieren, ein positives Signal für eine funktionierende demokratische und europäische Gesellschaft. Schließlich seien es doch gerade die Schülerinnen und Schüler von heute, die unsere Gesellschaft von morgen prägen und die schon heute beginnen können und vielleicht auch beginnen müssen, diese mitzugestalten – der Abend in der Schule war hierfür ein erster Schritt…
Tobias Lüpges
Februar 2016

Herbert Reul zu Gast am Düsseldorfer Cecilien-Gymnasium
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