Sehr geehrter Herr Generalkonsul Iwama,

sehr geehrter Herr Nakada,

verehrte Gäste,

sehr geehrte Frau Kayser-Hölscher,

liebe Christa,

lassen Sie mich als alte Germanistin mit Goethe beginnen: „Wer fremde Sprachen und Kulturen nicht kennt, weiß nichts von seiner eigenen“, so schreibt er in seinen „Maximen und Reflexionen“. Einen solchen Ansatz, der für das Erlernen fremder Sprachen und für die Begegnung zwischen den Kulturen wirbt, den hat Christa Kayser-Hölscher schon früh als wichtig und richtig erkannt und ihr Leben lang verfolgt. […]

1998 wurde Frau Kayser-Hölscher Schulleiterin am Cecilien-Gymnasium in Oberkassel. Die umtriebige neue Schulleiterin kümmerte sich auch und besonders um die Weitentwicklung des Japanischen – einem Alleinstellungsmerkmal des Cecilien-Gymnasiums.

Lassen Sie mich das Thema Japan am Cecilien-Gymnasium an drei Säulen erläutern.

Zum einen die Partnerschaft zwischen der Japanischen Internationalen Schule und dem Cecilien-Gymnasium:

Nach der Gründung der Japanischen Internationalen Schule im Jahr 1971 bestand der erste Kontakt zwischen den Schulen darin, dass deren Schülerinnen und Schüler- damals noch ohne eigenes Schulgebäude- ihren Unterricht in Biologie, Physik und Chemie in den Fachräumen des Cecilien-Gymnasiums erhielten. Mehr als ein Jahr lang waren sie gern gesehene Gäste.

Als 1973 die Japanische Schule in ihr heutiges Gebäude umzog, ergab sich – nicht zuletzt aus der unmittelbaren Nachbarschaft- ein gegenseitiges Interesse, das seitens des Ceci immer dann besonders lebhaft wurde, wenn im Erdkundeunterricht Japan behandelt wurde.

So gab es schon lange vor dem 26.November 1981 Besuche einzelner Klassen. Die Beziehungen waren aber wenig planmäßig und eher spontan. Die Schulleitung des Ceci wurde zum alljährlichen Sportfest damals noch ins Rheinstadion eingeladen; der jeweilige neue Schulleiter stellte sich in der Nachbarschule vor; manchmal gab es eine gemeinsame Sportveranstaltung der Lehrer beider Schulen.

Diese eher losen Beziehungen wurden vor nunmehr 39 Jahren in eine offizielle Partnerschaft – vom Kultusministerium mit einem Aktenzeichen versehen -übergeleitet.

Gemeinsame Gründe hierfür war der Wunsch, die bestehenden Beziehungen zu festigen und ihnen ein größeres Maß an Verbindlichkeit zu geben.

Und schließlich, so formulierte es der damalige stellvertretende Schulleiter und Koordinator der Partnerschaft , „ist die Herstellung einer Partnerschaft Teil des schulischen Erziehungsauftrags im weitesten Sinne: Sie schafft die Chance, den anderen bewusster  wahrzunehmen, eigene Wahrnehmungsklischees zu erkennen und abzubauen, den anderen als anderen nicht nur zu akzeptieren, sondern ihn auch als anderen zu wollen.“

1984 wurde erstmals auch ein Sprachkurs „Japanisch“ eingerichtet, eine Arbeitsgemeinschaft, an der Schüler und Lehrer gemeinsam teilnahmen.

Wir alle kennen die Entwicklung: Schülerinnen und Schüler des Cecilien-Gymnasiums können Japanisch als eine der angebotenen modernen Fremdsprachen neben Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch belegen und seit 2004 sogar als Abiturfach wählen.

In der Folge entwickelten sich eine Vielzahl und Vielfalt an Aktivitäten, die dank des nachdrücklichen und begeisternden Engagements der Partner fortlebte und sich weiterentwickelte.

In den Jahreskalendern der Schulen gibt es fixe Termine, zu denen gegenseitige Besuche stattfinden; so zu den Einschulungsfeiern der Jüngsten und zur Verabschiedung der Absolventen.

Regelmäßig spielten die Schulmannschaften gegeneinander Fußball -so z.B. beim alljährlichen Sportfest damals noch im Rheinstadion- und Basketball.

Beim Schulfest der Japanischen Schule war das Cecilien-Gymnasium mit Tanz-, Theater- oder Big-Band-Auftritten zu Gast, und die Fachschaft Kunst stellte Schülerarbeiten in den Räumen der japanischen Schule aus.

Am „Tag der offenen Tür“ im Ceci ziehen japanische Schüler und Lehrer regelmäßig die Viertklässler in ihren Bann, wenn diese erste Erfahrungen in Kalligraphie machen dürfen oder die kunstvoll gefalteten Figuren des Origami nachzumachen versuchen.

Am höchsten Feiertag des Cecilien-Gymnasiums, dem Weihnachtsbasar, tragen Schülerinnen und Schüler der Japanischen Schule mit ihren Ständen regelmäßig zum Gelingen des Festes bei.

Schon seit dem Beginn der Partnerschaft gibt es sogenannte „homestays“. Schülerinnen und Schüler beider Schulen verbringen ein Wochenende in Gastfamilien und lernen dort Familienleben, Kultur und nicht zuletzt die Küche der Gastgeber kennen.

Auch bei den Besuchen in der Japanischen Schule, zu denen oft die 5. und 6.-Klässler einladen oder  bei den Gegeneinladungen zeigt sich, dass es auch mit sehr begrenzter sprachlicher Kommunikation möglich ist, sich zu verstehen. Wer einmal miterlebt hat, wie sich während ein bis zwei Stunden eine angespannte Ruhe und ängstliche Skepsis in fröhliches miteinander Spielen und Lachen verwandeln, der weiß, wie wichtig auch solche Begegnungen sein können.

Beispiele und Höhepunkte solcher Treffen waren z.B. gemeinsames Kochen, ein Workshop zu traditionellen japanischen Spielen und ein mehrwöchiges Projekt zum gemeinsamen Bau wasserangetriebener Raketen, das nach fünfwöchiger Bauphase mit spektakulären Starts und Flügen auf dem Ceci-Schulhof seinen krönenden Abschluss fand. 

Ende 2001 entstand die Idee, Schülerinnen und Schülern mit besonders ausgeprägter musikalischer Begabung die Möglichkeit zu eröffnen, der Schulgemeinschaft ihr außergewöhnliches Können zu präsentieren. Was lag da näher,als die Talente der Japanischen Schule dazu einzuladen.

Die Resonanz auf das erste Konzert am 28.Februar 2002 war so überwältigend, das wir und entschlossen „Ceci goes classic“ als Reihe zu etablieren und alljährlich den Musikernder seit dem 12. Januar 2004 drei Partnerschulen „ihren“ Konzertabend zu ermöglichen.

Inzwischen war eine weitere Schulpartnerschaft mit der International School Düsseldorf entstanden – übrigens nicht die erste Begegnung in dieser Dreierkonstellation: Schon 1979 hatte es einmal gemeinsamen Geschichtsunterricht gegeben.

Wenn im nächsten Jahr das 40-jährige Bestehen der Partnerschaft hoffentlich groß gefeiert werden kann, zeigt das auch, dass diese Partnerschaft ein wertvoller Beitrag und lebendiger Beleg für das Profil des Cecilien-Gymnasiums als international orientierte Schule, in der Weltoffenheit und Toleranz zu wichtigen Erziehungszielen gehören.

Ein gelebtes Profil, das Frau Kayser-Hölscher stets gefördert und unterstützt hat und das die neue Schulleiterin, Frau Becker beleben, bewahren und pflegen will.

Eine rasante Entwicklung nahm  auch der Japanischunterricht: von der AG im Jahr 1984 bis zum Abiturfach mir ca. 10 Prüflingen pro Jahrgang seit 2004.

1987 nehmen Schülerinnen und Schüler aus 18 Düsseldorfer und Meerbuscher Gymnasien am zentralen Grundkurs Japanisch im Cecilien-Gymnasium teil.

1990 bietet das Ceci im Differenzierungsbereich der Jahrgangsstufen 9 und 10 Japanisch als dritte Fremdsprache an.

Bis zur Anerkennung als Abiturfach bedurfte es aber noch intensiver Arbeit und einer gehörigen Portion Durchsetzungsvermögen: die gesetzlichen Grundlagen mussten geschaffen und der Lehrplan Japanisch erarbeitet werden. Hier war Frau Kayser-Hölscher eine sehr aktive Begleiterin des Entstehungsprozesses, Unterstützerin der Fachlehrerinnen und konziliante aber beharrliche Verfechterin ihres Plans bei den Gesprächen mit dem Ministerium für Schule und Weiterbildung.

Unterstützung erhielt sie hierbei auch dankenswerterweise durch den damaligen Generalkonsul Shinyo.

Und damit komme ich zum dritten Pfeiler der Aktivitäten rund um japanische Sprache und Kultur am Cecilien-Gymnasium – zu den Kontakten und Kooperationen mit außerschulischen Partnern.

Im Rahmen der japanischen Bildungsreform fanden von 1999 bis 2002 diverse Besuche von Vertretern des japanischen Schulministeriums statt, bei denen diese das Schulsystem in NRW kennenlernten und vielfach begeisterte Hospitanten im bilingualen und im Unterricht des Montessori-Zweigs waren.

In Kooperation mit dem japanischen Kulturinstitut und der Japan Foundation konnten Cecischülerinnen und -schüler an externen Sprachprüfungen, Redewettbewerben und Studienreisen teilnehmen.

Diverse Kontakte und Möglichkeiten zu Gesprächen, Austausch und gemeinsamen Projekten gab es mit der Deutsch-Japanischen Gesellschaft vom Niederrhein, mit  Prof. Michiko Mae vom Lehrstuhl Modernes Japan an der Heinrich-Heine-Universität, mit dem EKO-Haus und dem Goethe-Institut.

Das japanische Generalkonsulat unterstützte durch die Vermittlung vielfältiger Kontakte:

So zum Beispiel zu japanischen Firmen, bei denen Schülerinnen und Schüler des Cecilien-Gymnasiums Praktika absolvieren und so die japanische Berufs- und Geschäftswelt aus nächster Nähe kennenlernen konnten. 

Seit 2007 gab es auch mehrfach einen Schüleraustausch mit einer Oberschule in Saitama und seit dem Schuljahr 2017/18 mit der Sakura Highschool in der Präfektur Chiba.

Manga-Wettbewerbe 2005 und 2010, Ikebana- und Etegami-Workshops im November 2008, Haiku-Präsentationen beim Düsseldorfer Lesefest 2009 und mit dem Goethe-Institut im Mai 2011 und das Thema Kimono in Theorie und Praxis im Juli 2011 seien nur aufgezählt als Beispiele der vielfältigen Möglichkeiten der Schüler, japanischer Kunst und Kultur zu begegnen.

Nicht unerwähnt dürfen bleiben die Auftritte und Ausstellungen japanischer Künstler im Cecilien-Gymnasium.

Ich habe bei meinen Erinnerungen an das Wirken von Christa Kayser-Hölscher im Cecilien-Gymnasium sicher einige wichtige Dinge vergessen.

Das mögest du und das mögen Sie mir verzeihen. Ich hoffe aber, dass Ihnen allen, die Sie heute Abend hier sind, deutlich geworden ist, dass und wie verdient sie sich um die japanische Sprache und Kultur verdient gemacht hat.

Wenn das Cecilien-Gymnasium und die Japanische Internationale Schule im kommenden Jahr die 40jährige Partnerschaft feiern dürfen, dann auch, weil Frau Kayser-Hölscher in den Jahren ihrer Schulleitung einen großen Beitrag zu deren Pflege und Weiterentwicklung und zur Weiterentwicklung des Japanischen am Ceci geleistet hat.

Ein letztes Wort: Wussten Sie übrigens, dass Frau Kayser-Hölscher nach ihrer Pensionierung eine neue Fremdsprache erlernt hat? Niemanden wird es wundern: Japanisch hat sie gewählt und das 7 Jahre lang jeden Donnerstag fleißig und erfolgreich studiert, wie ihre Lehrerin bestätigen kann. 

Beatrice Bergmann