Ein Gedenkgang durch Oberkassel am 29. Oktober 2021 

Im Rahmen unserer Unterrichtsreihe „Anpassung oder Widerstand – die Kirchen in den Diktaturen des 20. Jahrhunderts“ – gingen wir gemeinsam mit unserem Religionskurs durch Düsseldorf/Oberkassel, um uns näher mit dem Schicksal der jüdischen Familie Lindemeyer zu beschäftigen, welche in der Zeit des Nationalsozialismus lebte.  

Am Anfang unserer Exkursion besuchten wir die Salierstraße 4, das ehemalige Wohnhaus der Familie. Dort erfuhren wir, wie die Lindemeyers lebten, und wie sie ihre Kinder (Eva-Maria, Edith Magdalena und Wolfgang Karl) schließlich 1935 – 1939 nach England schickten, um diese vor den Nazis zu retten. Wir hörten Briefkonversationen zwischen den Kindern und Eltern. Vor dem ehemaligen Wohnort der Familie Lindemeyer wurden die Texte ihrer privaten Korrespondenz vorgelesen. Dies veranschaulichte uns ihr  ganz persönliches Schicksal. 

Anschließend marschierten wir zum Postgebäude an der Luegallee. Dort wurden wir darüber aufgeklärt, dass die Briefe nach England zu den Kindern nicht selbstverständlich, aber für den Zusammenhalt der Familie äußerst bedeutsam waren. Schließlich waren Eltern und Kinder getrennt, ahnend, dass sie sich nicht wiedersehen würden. Darauf  folgend gingen wir zur evangelischen Auferstehungskirche, um dort in Ruhe erneut Zitate aus ihren Briefen zu hören. Aus diesen erfuhren wir etwas über die Schulzeit der jungen Lindemeyer Kinder an der Lanker Straße, aber auch über deren Ausbildungssituation nach ihrer Emigration. Waren sie hier „die Juden“, die in Deutschland unerwünscht waren, wurden sie bei Zuspitzung der Kriegssituation „die  Deutschen“, die nun auch in England nicht unbedingt mehr von jedem willkommen geheißen wurden. Die letzte Station, welche auch vor der Auferstehungskirche vorgetragen wurde, war die berührendste. Bei dieser Station wurde darüber gesprochen, wie die Georg und Frieda Lindemeyer es nicht mehr geschafft hatten nach England auszuwandern und wie sie 1941 von Düsseldorf-Derendorf aus nach Minsk deportiert wurden und dort umgekommen sind.

Die Exkursion beeindruckte uns beiden sehr.  Man hat viele neue Eindrücke erhalten. Man kannte jedes Gebäude, doch durch die berührenden Texte haben diese eine neue Wirkung auf einen genommen. Die Texte haben einem viel über die Zeit des Nationalsozialismus verraten. Besonders schön fanden wir natürlich, dass man einer Familie auf der Spur war. Man konnte sich sehr gut mit ihrer Anfangssituation, einer zunächst normalen (in diesem Fall christlichen, ursprünglich jüdischen) Existenz in Düsseldorf/Oberkassel identifizieren und es erschütterte einen so noch mehr, was mit Ihnen am Ende passierte.

Von : Philippa und Cosima

für die evangelischen Religionskurse, Jg. 9 

Einer Familie auf der Spur